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Andreas Grahl

Den Skulpturen von Andreas Grahl ist beides anzusehen: die große Faszination der Bronzefigur als Zeugnis vergangener Kulturen samt ihrer unerklärlichen, geheimnis- und würdevollen Aura - und andererseits das inspirierte Spiel mit den gegenwärtigen Möglichkeiten, die Material und Fertigungsverfahren dem Künstler heute bieten.
Die Kleinplastiken der Renaissance, ihre Formfindung unter technischen Unzulänglichkeiten, ihre Bildmagie als Fortschrittsidee und ihre skulpturale Serienproduktion sind Anlass für die Arbeiten von Andreas Grahl, aber keine Vorbilder.
Gegenständlicher Ausgangspunkt sind u. a. Ready-mades banaler Natur.
Zunächst sind es Kinder-Steckfiguren nach dem einfachen Prinzip, dass vorgefertigte Einzelteile über haltbare Steckverbindungen zusammengefügt ein definiertes Ganzes ergeben können. Dass über Varianten der Fügung alternative Möglichkeiten und aus den Zutaten zu einer richtigen Figur ein aufregend falsches Geschöpf entstehen kann, ist Grahls Ansatz.
Durch den Einsatz des ältesten Werkstoffs Bronze ist nicht nur eine große Freiheit der Formgebung und Modellierung gegeben, auch die Behauptung der Werthaltigkeit und die Manifestation von Weltsicht in Bronzefiguren sind in Grahls zeitgenössischen Werken präsent.
Varianten, die das technisch bis heute kaum veränderte Verfahren bietet, sind mit der Wahl der Größe - Grahls Figuren sind bis zu 70 cm groß - und des verschiedenartigen Gussmaterials gegeben. Im Detail offenbart sich das sinnliche und thematische Potenzial von Grahls Verfahren in jeder Plastik anders.
»Janus«, der zweigesichtige, römische Gott des Anfangs und des Endes ist bei Grahl ein Orang-Utan, ein Geschöpf aus zwei Köpfen, stehend auf zwei Händen – Grahl kann darin formelhaft die Spannung anlegen, die das Denken und das Handeln in zwei gegensätzliche Richtungen als feindlich konkurrierende Impulse zeigt.
Das »Pferd« mit einem nach oben gewachsenen Bein wird sich nicht fortbewegen können – ist es noch ein Pferd in diesem Zustand? Und vor allem: ab wann arbeitet ein Abbild gegen unsere Vorstellung und ab welchem Grad der Verfremdung sind wir bereit, ein Pferd nicht mehr wesenhaft als Pferd anzuerkennen?
Auch jenseits der tierischen Vorbilder sind die absurden Deformationen weit mehr als Spielerei und Versuchsprinzip. Ein »Krieger«, vierarmig und kopfüber mühsam auf seiner Brust balancierend, kämpft schon vergeblich mit sich selbst.
In einer anderen Werkserie sind Aufblasfiguren gegenständliches Vorbild. Vervollkommnung erreichen die Spielzeuge im prall aufgeblasenen Zustand und auch hier unterläuft Grahl die Erwartung und findet eine Formensprache, die der richtigen Ausführung entgegenläuft – er gießt sie im eingefallenen Zustand und mit Öffnungen in der starren, gewichtigen Hülle aus Bronze – die Wandlung in das Gegenteil.
Die bewusste Aufhebung der Entwicklung zu einer Vollendung, wie sie der Bronzeplastik doch eigen sein sollte, stellt Fragen und hohe Ansprüche an das Sehen und Erkennen sinnwidriger Zustände. Grahl behauptet das Unvorstellbare als möglich und vertraut dabei auf das Unangreifbare des ehernen Materials.

CV

1964

geboren in Berlin
1989

Fotografenlehre
1992 - 1999

Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig
1999 - 2001

Meisterschüler bei Prof. Astrid Klein
2003 - 2004

einjähriges Studium am ISA in Havanna. Kuba
2006 - 2011

Künstlerischer Mitarbeiter, FK für Installation und Raum, HGB Leipzig

Andreas Grahl lebt und arbeitet in Leipzig.

Ausstellungen (Auswahl)

EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
2016
»The Cabinet of Ramon Haze. Der Schrank« with Holmer Feldmann. KOW, Berlin
2013
»Zucht und Ordnung« maerzgalerie, Leipzig
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
2017
»Corriger la Fortune« Kunstverein Tiergarten, Berlin
2016
»Potnia Theron. Das Tier in Wissenschaft und Kunst« Altana Galerie, Dresden

»dreams are my reality / the only kind of real fantasy / illusions are a common thing / I try to live in dreams / it seems as if it’s meant to be« D21 Kunstraum, Leipzig

»Things to come« zeitgenössische Objektkunst, Kunsthalle der Sparkasse, Leipzig

»In The Making« REITER Berlin prospect

»WIN WIN« Die Ankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2016, Halle 14, Baumwollspinnerei, Leipzig

»23. Leipziger Jahresausstellung: immer & ewig« WESTWERK Leipzig
2015
»showcase« maerzgalerie, Leipzig

»2.5.0.- Object is Meditation and Poetry« Grassimuseum, Leipzig
2014
»Masters Revisited« maerzgalerie, Leipzig
2013
»abstrakt konkret konstruktiv« Kunsthalle der Sparkasse, Leipzig

»showcase« mit Hans Aichinger, Kai Klahre & Sebastian Schrader. maerzgalerie, Leipzig
2012
»Inside out« Kunsthaus, Dresden
2011
»Win Win« Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Leipzig
2010
»Arbeit ist das Feuer der Gestaltung« C. Rockefeller Center, Dresden

»Kinder Art« Fondazione Ferrero, Alba.
2009
»Antirepresentationalism« Galerie KOW, Berlin

»Triennale Bovisa« Mailand
2007
»Gliederhorst« Laden für Nichts, Leipzig

»Frau Hölle« Galerie hafen+rand, Hamburg

»One bear, one elephant, and three people on the phone« Amerika, Berlin
2006
»Junkfood« Galerie Emmanuel Post, Leipzig

»Neandertaler« Ritter-Zamel Gallery, London

»Kreuzschlitz« Laden für Nichts, Leipzig
2005
»Anderthalb« JET, Berlin

»Fein Raus« Amerika, Berlin
2004
Leipziger Jahresausstellung, Leipzig
2003
»Laokoon« Skulpturenausstellung, Junge Kunst, Wolfsburg
2002
»Volks Sturm Boutique« Installation mit Bertram Haude, Laden für Nichts, Leipzig

»Ovejitas« Installation mit Holmer Feldmann, Schwanenteich, Leipzig

Preise / Stipendien

2012

Stipendium Cité Internationale des Arts in Paris
2003

DAAD Ausland-Jahresstipendium
2001

Meisterschülerstipendium
1999

Amerika-Reisestipendium des Kunstfonds Sachsen

Ars Lipsiensis Kunstpreis Leipzig
1997

2. Preis für Ramon Haze »Visuelle Zeitenwende« Körber Stiftung
Anzeigen: Download CV Herunterladen: Download CV (605,9 KB)

Andreas Grahl News

Ausstellungsansicht »Der Schrank von Ramon Haze«
11.11.2018 – 24.02.2019

  • Andreas Grahl

»Der Schrank von Ramon Haze« Museum Abteiberg . Mönchengladbach . Einzelausstellung mit Holmer Feldmann

www.museum-abteiberg.de


Ramon Haze . Der Schrank . Leipzig 1997

 ipzig 1997
20.09.2017 – 10.12.2017

  • Andreas Grahl

»Stealing from the West« Akademie der Künste der Welt . Köln . Ausstellungsbeteiligung

www.academycologne.org


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